Medizien für das Herz

Bismillahi Ar-Rahman Ar-Rahim, im Namen Allahs des Allerbarmers, des Barmherzigen

Es ist so traurig, meine lieben Geschwister. So traurig.

Wisst ihr, worüber ich spreche? Es ist der Staub. Der Staub auf unserem Koran. Ein jeder, welcher sich als Muslim bezeichnet, der hat in der Regel ein Exemplar bei sich zu Hause. Doch auf vielen befindet sich Staub. Verräterischer, dreckiger Staub. Was bedeutet es, wenn sich Staub auf unserem Koran befindet? Richtig. Wir nehmen ihn nicht oft genug zur Hand. Etwas, was man nicht berührt, auf dem setzt sich der Staub an. Traurig und schade, denn wir schaden uns selbst ungeheuerlich damit. Denn wenn wir den Koran nicht berühren, so berühren wir auch nicht mehr unser Herz. Wie kann das sein, liebe Geschwister? Ich werde es erklären, inscha-Allah (so Allah will). Doch zuvor lesen wir die Worte des Propheten:

Allahs Gesandter hat gesagt: “Diese Herzen werden rosten, so wie Eisen rostet, wenn Wasser damit in Berührung kommt.” Jemand fragte: “Allahs Gesandter, was kann sie (wieder) reinigen?” Er antwortete: “Häufige Erinnerung an den Tod und häufiges Lesen des Koran.” Ausspruch des Propheten (Hadith; Baihaqi)

„Gebt Acht auf ein Stück Fleisch in euren Körpern. Wenn dieses Stück rein ist, so ist der ganze Körper rein. Wenn dieses Stück aber verdorben ist, so ist der ganze Körper verdorben. Dieses Stück Fleisch ist das Herz.“ (Buchari, 39)

„Aber nein! Was (an schlechten Taten) begangen haben, hat sich ihnen (wie Rost oder eine Schmutzschicht) aufs Herz gelegt“ [ Quraan : Sura al-Mutaffifin, 14]

Bestimmte Herzen werden also rosten. Und nur der Koran kann es wieder reinigen. Aber dies impliziert ja auch, dass das nichtlesen des Korans, dazu führen kann, dass das Herz rostet. Dies ist natürlich nicht der einzige Grund, warum das Herz rostet, aber einer davon. Doch wie kann ein „Organ“ rosten? Auf dieselbe Art, wie auch ein Herz Liebe und Hass, Freude und Trauer empfinden kann. Das Herz als Sinnesorgan. So könnte man es umschreiben. Der Teil unseres Herzens, welches Gefühle wahrnimmt, dieser Teil kann rosten, und zwar im übertragenem Sinne. Und wir lassen es eigenhändig zu. Obwohl man doch meinen könnte, dass das Herz es wert ist, Schutz zu erfahren. Wir schützen in allen anderen Fällen, alles was uns wichtig ist vor Dreck und Rost. Und wir reinigen auch alles was uns wichtig ist. Sogar unsere Schuhe putzen wir. Seht, wer ein Auto fährt, der schützt es. Wie reagiert derjenige, wenn sich dort Rost ansetzt? Er wird in einem komplizierten Verfahren entfernt, damit er sich nicht ausbreitet und noch mehr kaputt macht. Das Herz jedoch wird vernachlässigt. Alle Arten von Schmutz setzt sich dort ab, und ja, es rostet sogar. Und keinen stört es. Oft wird erst etwas bemerkt, wenn es schon fast zu spät ist, weil der Schmerz des rostenden Herzen zu groß wird. Doch wehe dir, du lässt es sterben! Wenn der Diener eine Sünde (Fehltritt) begeht, hinterlässt diese in seinem Herzen einen schwarzen Fleck.Wenn er sie bereut und unterlässt, wird sein Herz reingewaschen. Kehrt er zu ihr erneut zurück, verstärkt er (der Fleck) sich, bis er sein Herz (wie eine Hülle) umgibt.(von At-Tirmidhi überliefert) Das Herz meldet sich bei der kleinsten Unstimmigkeit, doch wie man oft das im Hintergrund laufende Radio oder einen bellenden Hund ignoriert, so ignorieren wir die Hilferufe des Herzens. Erinnern wir uns lieber noch einmal an den oben stehenden Ausspruch des Propheten. Denn dies kann uns wirklich helfen. Doch bevor wir uns daran begeben, das Herz zu reinigen, müssen wir verstehen, was es verunreinigt, damit wir beim nächsten Mal besser aufpassen und auf der Hut sind. Der Übeltäter Nr. 1 ist natürlich die Sünde. Die Sünde belastet und verunreinigt  das Herz. Jede Sünde setzt sich wie als schwarzer Fleck auf dem Herzen ab. Und ich rede nicht nur von den offensichtlichen oder schwerwiegenden Sünden, wie Unzucht, Diebstahl, Glücksspiel, Alkoholkonsum und weiteres. Sondern ich rede auch von den Wutausbrüchen, Gewalt oder schlechte Worte über und zu anderen Menschen. Die Zunge spricht unbedachte Worte, und das Herz trägt die Konsequenzen. Doch verzweifele nicht liebe Schwester und lieber Bruder. Denn was verschmutzt ist, lässt sich durch Allahs Gnade auch wieder reinigen. Alhamdulillah (Gelobt sei Allah). Solange du aufrichtig bereust. Doch weiter nun zum Thema. Das unterlassen des Gebetes ist ebenfalls sehr schädlich für das Herz und die Seele im Ganzen. Allah legte uns nicht das Gebet als Pflicht auf, weil ER unsere Gebete nötig hätte, sondern weil es gut für uns ist. Denn die Annäherung an Allah beruhigt das Herz. Wer nicht betet, entfernt sich von Allah und legt keinen Wert auf Seine Nähe. Das Herz aber, ist auf Allahs Nähe angewiesen, um sich wohl zu fühlen. So wie die Blume das Licht begehrt um zu leben. So begehrt das Herz das Gebet. Es leidet, wenn es dies nicht bekommt. Eine Blume ohne Licht wird sterben. Alles was im weltlichen Sinne und aus religiöser Sicht schlecht ist, verunreinigt und schwächt das Herz. Irgendwann wird man unempfindlicher gegenüber dem Schlechten und begeht es Routinemäßig, man spürt nicht einmal mehr die Sünde. Und alles was einen von der Liebe Allahs trennt, ist schlecht für das Herz, und lässt es langsam sterben. Doch Allah gibt einem Reuigen Menschen auch immer Auswege, denn erst der Tod ist das Ende. So kann man immer und zu jeder Zeit umkehren und sich bessern. Die ersten Schritte wären das horchen auf das Herz. Fühle es und gib ihm was es braucht. Wie die oben erwähnten Dinge dem Herzen schaden, so sind die Gegenteile davon entsprechend gut für das Herz. Beginne, lieber Bruder, liebe Schwester, dein Herz zu reinigen. Mache mal einen Hausputz, und wirf den unnötigen Kram fort. Schnapp dir deine Putzutensilien und fange an, sauber zu machen. Und das ist gar nicht schwer. Der Teufel lässt es einem nur als schwer erscheinen. Doch wie und wo fängt man denn bloß an? Zunächst einmal brauchst du Wasser. Richtig gelesen. Ich sagte Wasser. Du must bereuen, und die Tränen deiner Reue sind dein Wasser. Wenn dir klar ist, dass du etwas falsch gemacht hast, und du möchtest es ändern, so werden die Tränen fließen und dich erleichtern. Wer bereut, hat den Weg zu Allah bereits beschritten, und dem Teufel einen Schlag versetzt. Diese Tränen der Reue, sind bereits ein Teil der Reinigung. Dann zeige Allah, dass du an Ihn denkst und mit Seine Nähe begehrst. Unterhalte dich mit Ihm. Der Prophet hat gesagt: “Wenn einer von euch betet, führt er ein vertrauliches Gespräch mit Allah.” (Anas; Buchari) Sage Ihm alles, was du auf dem Herzen hast. Denn Ihm alleine dienen wir, und Ihn alleine bitten wir um Hilfe, wie es in Sura Al-Fatiha steht. Das Gebet ist das Mittel der Unterhaltung. Somit entsteht die Bindung, die du aufrecht erhalten solltest, auch wenn du persönlich mal nichts zu sagen hast. Rufe Ihn trotzdem an. Dies wird deinen Rost entfernen. Denn der Prophet Mohammed sagte einmal, dass ein betender Mensch so ist wie jemand, welcher fünf mal täglich im Fluss badet. Da bleibt doch kein Schmutz übrig, oder?

Allahs Gesandter hat gesagt: “Was meint ihr, wenn vor der Tür von einem von euch ein Fluß wäre, in dem er täglich fünfmal badet, meint ihr, daß dann noch irgendein Schmutz übrigbleibt?” Sie antworteten: “Es würde nichts übrigbleiben” Darauf sagte er: “Das ist gleich den fünf Gebeten, mit denen Allah die Sünden auslöscht.” (Abu Huraira; Buchari)

Gedenke Allahs auch außerhalb des Gebetes (Dhikr). Dies ist so, als würdest du deinem Partner Rosen schenken. Derjenige wird sich freuen, und es nicht mehr vergessen. Dies ist gut für dich. So auch bei Allah. Dhikr reinigt dein Herz restlos. Mehr noch, es erfüllt dich mit Licht. Ebenso die guten Taten. Jede gute Tat, entfernt einen deiner Schandflecken vom Herzen. Gute Taten erfüllen dein Herz mit Glück, sie reinigen dich, du bekommst am jüngsten Tag einen Lohn, und das gesellschaftliche Leben bessert sich, wenn man gut zueinander ist. Und merke dir, das selbst ein Lächeln eine gute Tat ist. Und nun zurück zum Koran, welcher den Staub nicht mag. Das Herz möchte immer Ruhe und inneren Frieden verspüren. Jeder möchte dies. Und doch ist es so, das selbst ein Muslim, der glaubt, von Unruhe und Angst befallen werden kann. Auch dann, wenn er nicht gesündigt hat, oder sonst ein Bösewicht ist. Selbst Depressionen sind da möglich, auch wenn es Leute gibt, die sagen ein Muslim kann so etwas nicht bekommen. Der Mensch wurde schwach erschaffen, und einen jeden kann es mal treffen, dass es einem einfach zu viel wird. Oder man ist so entsetzt über die Schlechtigkeiten der Menschen, dass man resigniert. Oder aber frühere Sünden kommen hoch, und man bekommt Angst, obwohl Allah doch der Allerbarmer ist und Er im Koran Sura Al Baqara (die Kuh) Aya 38 sagt:….Und wenn dann zu euch Meine Rechtleitung kommt, brauchen diejenigen, die Meiner Rechtleitung folgen, weder Angst zu haben, noch werden sie traurig sein. (38) Ihr werdet es nicht glauben wie oft Allah im Koran sagt, dass wir uns nicht fürchten sollen, wenn wir nur an Ihn glauben. Dennoch, wir Menschen sind oft unbelehrbar, und haben trotzdem Angst oder sind beunruhigt. Tut das nicht liebe Geschwister. Vertraut auf Allah, der jedem einen Ausweg gibt, der danach fragt. Und es gibt Hilfe gegen Unruhe oder auch zum Schutz gegen Unruhe. So finden wir im Koran folgendes: „Es sind jene, die glauben und deren Herzen Trost finden im Gedenken an Allah. Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig. (28) Quran: Sura Ar-Rad (Der Donner) Aya 28 Dies sollte genügen um uns zu trösten. Allah sagt also, das Gedenken an Allah wird uns beruhigen. Das bedeutet häufiges Dhikr und das Gedenken Allahs schließt das Lesen des Korans mit ein. Wenn du den Staub von deinem Koran entfernst, so reinigst du auch dein Innerstes. Und wer bereits auf dem richtigen Weg ist, der baut sich durch das häufige Lesen des Korans einen Schutzschild gegen das Schlechte und die Unruhe auf. Wustest du, das der größte Teil der Muslime, Nichtaraber sind? Sie sind oft nicht in der Lage den Koran auf Arabisch zu lesen, obwohl dies wünschenswert wäre. Lies ihn in deiner Muttersprache, um die Botschaft daraus zu erfassen. Und lasse dir daraus vorlesen (z.B. CD) um den Segen zu bekommen. Denn auch das Hören des Korans ist gut. Jedoch nützt es nichts, ihn dir in Minischrift um den Hals zu hängen. Das bringt gar nichts, und ist absoluter Blödsinn. Wer krank ist, benötigt Medizin. Es wird dir nichts nützen, wenn du das Rezept des Arztes um den Hals hängst. Gehe zur Apotheke und hole dir mit dem Rezept die Medizin, die du zu schlucken hast. Genauso ist es mit dem Koran. Er ist Medizin. Aber er muss in den Körper um zum Herzen zu gelangen. Entweder durch das Ohr, oder durch die Zunge des Lesens. Also höre und lese und staune, was passiert.

Allahs Gesandter hat gesagt: “Ihr Leute des Koran! Benutzt den Koran nicht als Kopfkissen, sondern tragt ihn bei Tag und bei Nacht auf angemessene Weise vor, verbreitet ihn, rühmt ihn und denkt über das nach, was in ihm steht, vielleicht werdet ihr erfolgreich sein. Und sucht nicht voreilig Lohn durch ihn zu erlangen! Denn in ihm (liegt großer) Lohn!” (Ubaida al-Maliki; Mischkat)

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