Der Muslim, „erkauft“ er sich das Paradies?

Frage:

„Erkauft“ ein Muslim sich das Paradies? „Erarbeitet“ man sich im Islam die Erlösung durch seine Taten? Antwort bezugnehmend auf das untenstehende Zitat aus dem Koran:

An jenem Tage werdet ihr (Allah) vorstellig sein – keines eurer Geheimnisse wird verborgen bleiben. (18) „Was dann den anbelangt, dem sein Buch in die Rechte gegeben wird, so wird er sagen: „“Wohlan, lest mein Buch. (19) „“Wahrlich, ich habe damit gerechnet, daß ich meiner Rechenschaft begegnen werde.““ (20) „So wird er ein Wohlleben (21) in einem hochgelegenen Paradies führen, (22) dessen Früchte leicht erreichbar sind. (23) „““Esset und trinkt und laßt es euch wohl bekommen für das, was ihr in den vergangenen Tagen gewirkt habt.““ (24) „“Was aber den anbelangt, dem sein Buch in die Linke gegeben wird, so wird er sagen: „“O wäre mir mein Buch doch nicht gegeben worden! (25) „Und hätte ich doch nie erfahren, was meine Rechenschaft ist! (26) O hätte doch der Tod (mit mir) ein Ende gemacht! (27) Mein Besitz hat mir nichts genützt. (28) „Meine Macht ist von mir gegangen.““ ( Sura Al-Haaqa Ayat 18- 29 )

 

 ANTWORT:

Das Quranzitat ist aus der Sure Al-Haqqa,was auf deutsch „Die Wahrheit“ bedeutet. Ich würde gerne  etwas weiter ausholen, um Euch dieses Zitat näher zu erläutern.

Wenn ein Mensch stirbt, so wird er/sie schon während des Vorgangs des Todes, wenn der Todesengel die Seele des Sterbenden holt, wissen, ob er /sie errettet oder bestraft werden wird. Denn der Tod ist aus islamischer Sicht, für einen Leugner schmerzhaft und für einen Gläubigen das genaue Gegenteil, sprich schmerzlos. Der Schmerz bezieht sich auf das Entziehen der Seele selbst. Dies ist deshalb so, weil er/sie Gott verleugnet hat und er undankbar war. Für die Lebenden ist aus den Umständen des Todes nicht ersichtlich, ob es sich um einen Gläubigen oder Ungläubigen Menschen gehandelt hat. Wir sehen einen toten Menschen und wissen schlußendlich nicht, ob für diese Person das entziehen der Seele schrecklich oder erlösend war. Dies obliegt den göttlichen Geheimnissen, über die wir erst am Tage des Jüngsten Gerichts aufgeklärt werden, so Gott will. Der Verstorbene selbst, bzw. seine Seele weiß aber sehr wohl, was ihn am jüngsten Tag erwartet. Er weiß, ob er an Gott glaubte oder nicht. Genauso verhält es sich mit dem im Quranvers erwähnten „Buch“. Das Buch ist quasi so eine Art Tagebuch. Dort ist verzeichnet, was man in seinem Leben getan oder unterlassen hat. Denn Gott der Allmächtige ist auch der Allsehende und Allhörende. Demnach sind dort die guten und schlechten Taten verzeichnet. Auch bei dem Vorgang der Übergabe des Buches, dieses findet vor der eigentlichen Abrechnung mit Allah statt, weiß der Mensch schon aufgrund der Tatsache in welche Hand man das Buch übergeben bekommt, was ihn erwartet. Dies kann eine Erleichterung für das Warten am Jüngsten Tage sein, oder aber auch eine Qual,denn wenn man das Buch in die Linke Hand übergeben bekommt, so hat man sehr viel schlechtes in seinem Leben getan. Mit dieser quälenden Gewissheit, und auch noch schwarz auf weiß, muss er ausharren am jüngsten Tage bis er an der Reihe ist. Das kann dann schon mal ein Weilchen dauern, wenn man bedenkt, das sämtliche Menschen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft diesen Tag erleben werden. Bekommt er/sie sein Buch aber in die rechte Hand, so weiß er schon in stiller Vorfreude, dass ihm/ihr Gottes Gnade und Barmherzigkeit zuteil werden wird. Für einen solchen Menschen ist das Warten keine Quälerei, und Allah wird es veranlassen, dass für einen solchen Menschen, die Zeit wie im Fluge vergeht. Aus diesem Grunde, da er das Buch in die Rechte bekam, und scheinbar nichts schlechtes darin steht, sagt er „Wohlan, lest mein Buch.“ Jedoch ist dies nicht überheblich vor dem Herrn gemeint, Gott bewahre, sondern wir alle werden in Demut vor Gott gebracht werden und wir alle werden zur Rechenschaft gezogen werden, und es kommt darauf an, dass wir dass im Diesseitigen Leben begreifen und umsetzen. Nochmals zu Erläuterung:
An jenem Tage, da werden wir ein jedes Volk mit seinem Führer vorladen. Diejenigen, die dann ihr Buch in ihrer Rechten empfangen werden, werden ihr Buch verlesen und nicht das geringste Unrecht erleiden. (Sure 7; Vers 71)
und
Und verrichtet das Gebet und gebt die Zakah (Armenabgabe;Spende), und was ihr für euch an Gutem vorrausschickt, das werdet ihr bei Allah vorfinden. Wahrlich! Allah sieht wohl was ihr tut. (Sure 2; Vers 110)

Hier im Diesseits sollen wir ein Gottgefälliges und in Liebe zu Gott ergebenes Leben führen, doch auch die Furcht vor Seinem Zorn soll nicht vergessen werden. Was in unseren Büchern verzeichnet ist, resultiert schlußendlich aus unserem Glauben. Wenn man also Gutes in diesem Buch findet, so hatt dies zu bedeuten, dass man Gott treu ergeben war und stets in Demut gedient hat. Stets bestrebt war Gutes zu tun und das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit nie verloren hat. Ein gläubiger Mensch hat sein Leben damit verbracht, Gott ergeben zu sein und auf diesen gewaltigen Tag hin hat er gearbeitet. Mit der Gewissheit, dass ein jeder Mensch eines Tages vor dem allgewaltigen Herrn, dem Herrn der Welten stehen wird. Und wenn es denn tatsächlich einmal so weit ist, und wir leibhaftig vor IHM stehen werden, dann werden wir alle zittern. Aber Gott erleichtert dem Wartenden das Warten durch den kleinen Hinweis mit dem Buch in die rechte Hand. Schon dann wird einigen Menschen eine Bürde vom Herzen fallen.
An diesem Tage werden die Menschen einzeln hervorkommen, um ihre Werke zu sehen. 7. Und wer Gutes (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. 8. Und wer Böses (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wir es sehen. (Sura 99 (Das Erdbeben) Ayat 7+8 )

Wie ich bereits gesagt habe, ist es einzig und alleine Gottes Gnade, welche uns das Paradies beschert.

Allahs Gesandter hat gesagt : „Niemanden von euch werden seine Taten ins Paradies bringen, oder vor dem Höllenfeuer bewahren -auch mich nicht- außer durch die Barmherzigkeit Allahs.“

Doch warum dann die gutenTaten verrichten? Ich werde versuchen, es zu erklären.

Irgendwie klingt es doch einleuchtend. Wer schlechtes tut, der wird bestraft, sofern er nicht bereut hat, und muss sich dafür verantworten und wer gutes tut, der wird belohnt. Ein Ansporn, Gutes zu tun ist also gegeben. Oder auch: Was man sät, dass wird man ernten. Wenn Gott einem Belohnung für gute Taten verspricht, so ist dies eine enorme Motivation sich entsprechend gut zu benehmen. Gott wird die guten Taten eines jeden Menschen niemals umsonst sein lassen. Selbst ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, aber gutes tut, wird seinen Lohn erhalten, denn Allah ist gerecht oder die Gerechtigkeit. Ein Mensch, welcher aus Liebe zu Gott gutes tut, der wird seinen Lohn bei Gott vorfinden. Er wird im Diesseits gutes ernten und im Jenseits ebenfalls. Werden die Taten ihn in das Paradies bringen? Nein, dies erfolgt durch Allahs Gnade, aber er wird im Paradies den Lohn für seine guten Taten vorfinden. Und alles, was er entbehrte um Gottes Willen, wird er bekommen. Und alles was er erduldete und erlitt aus dem Glauben heraus wird wieder gutgemacht. Eine Belohnung für die Standhaftigkeit des Gläubigen. Dies ist ein großer Trost für alle Glaübigen, die Qualen, Hunger und Verfolgung zu erdulden haben. Doch hört man von diesen Menschen stets: „Sofern Allah das Paradies für mich bestimmt, dann wird alles gut und ich werde all das Erlebte vergessen.“ Oder so ähnliches. Stets ist ein Gläubiger bemüht, dem Lippenbekenntnis auch Taten folgen zu lassen. Denn ein Glaube ohne Taten ist ein toter Glaube. Man versucht, Gott durch gutes Wirken näher zu kommen. Auch löschen die guten Taten die Schlechten aus. Eine Barmherzigkeit Gottes, die uns das Leben im Diesseits erleichtert. Und ein weiterer Grund, um gute Taten zu verrichten ist in dem folgenden Ausspruch des Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken  zu entnehmen:

Die erste Taten, für die die Menschen am jüngsten Tag zur Rechenschaft gezogen werden, ist wahrlich das Gebet.“ Er sagte: „Unser Herr, der Majestätische, sagt zu seinen Engeln, und Er weiß es besser: ‚Schaut auf das Gebet Meines Dieners, hat er es vollständig verrichtet oder hat er es nicht vollständig verrichtet?‘ Wenn er es vollständig verrichtet hat, wird es ihm vollständig gutgeschrieben. Wenn er es nicht vollständig verrichtet, sagt Er: ‚Schaut, hat mein Diener freiwillige (Taten)?‘ Wenn er freiwillige (Taten) hat, sagt Er: ‚Vollendet Meinem Diener seine Pflicht mit den freiwilligen (Taten).‘ Dann werden die Taten so genommen, wie sie sind.“( Überliefert von den Autoren der vier Sunna-Werke außer At-Tirmidhî.)

Ein Mensch der Gutes tut, aber nicht aus Gründen des Glaubens. Sondern beispielsweise um Ansehen bei den Menschen zu erlangen, bekommt auch seinen Lohn von Allah. Er bekommt was er wollte. Ansehen bei den Menschen und Erniedrigung am Tage des jüngsten Gerichts. Sein Lohn beschränkt sich also auf das Diesseits und im Jenseits gehört er zu den Verlierern.

Anas (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Wenn ein Ungläubiger etwas Gutes tut, bekommt er seinen Lohn in dieser Welt, dem Gläubigen hingegen bewahrt Allah, der Erhabene, seine guten Werke für das Jenseits auf und versorgt ihn mit Unterhalt in diesem Leben wegen seines Gehorsams.“

Eine andere Version lautet: „Allah tut dem Gläubigen nichts Schlechtes. Seine guten Taten werden sowohl im Diesseits als auch im Jenseits belohnt. Ein Ungläubiger wird für seine guten Taten, die er für Allah getan hat, nur in dieser Welt belohnt, und wenn er ins Jenseits kommt steht ihm keine Belohnung mehr zu.“ (Muslim)

 Wie schlimm ist es dann aber, wenn man Ungläubig und/oder ein Sünder ist. Wenn man schlechtes tut und anderen schadet? Grundsätzlich gilt, dass schlechte Taten bereut werden müssen. Die Reue ist befreiend, denn Allah ist der Allerbarmer und Barmherzige. Aber damit das Leben auf Erden funktioniert, hat Gott Regeln erlassen, die das miteinander erleichtern und dazu dienen, die Moral und das Gewissen des Menschen sich selbst und anderen gegenüber zu schulen. Aus diesem Grund sandte ER uns Propheten und Gesandte, die den Menschen erklären sollten, wie sie den Glauben an Gott umsetzen können. Doch wir selbst sind für uns verantwortlich und dafür was wir tun, denn wir haben von Gott die Fähigkeit oder eher Bürde bekommen, das Gute von dem Schlechten zu unterscheiden. Das Diesseits kommt einer riesengroßen Prüfung gleich, in der wir oft getestet werden. Der Teufel beispielsweise ist ein solches Testinstrument. Er versucht das schlechte aus uns heraus zu kitzeln, jedoch zwingen kann er uns nicht. Er kann verführen aber nicht zwingen. Wir haben immer die Wahl uns für das Gute zu entscheiden. Aber der Muslim, so hast du gesagt, hält sich sehr an die Gesetze Gottes. Dies liegt daran, dass wir uns vor Übertretungen und vor Sünde schützen wollen, da wir nicht bestraft werden wollen. Vieleicht tut man etwas schlechtes, und dann stirbt man noch bevor man Reue zeigen konnte. Ausgenommen sind die Sünden die in Unwissenheit geschahen. Das schlechte und die Sünde verunreinigen das Herz und den Glauben und entfernen einen von Gott. Wenn Gott Gesetzte erlassen hat, dann gibt es dafür einen Grund, den wir nicht immer verstehen müssen, da Gott Alleine der Allwissende und wir kleine Menschlein sind. Und Gott will gewiss nur das Gute für uns. Aber was soll ich sagen, und ich habe nun wirklich sehr viel rumgequasselt, schlussendlich sind wir alle für unsere Taten verantwortlich, wäre doch sonst der Sinn im Diesseits verfehlt. Ich bin nicht verantwortlich für die Sünden meines Nachbarn und umgekehrt genauso. Unglücklich ist natürlich der, der an der Gnade Gottes zweifelt, und nicht daran glaubt, dass Gott alle Sünden vergeben kann, selbst dann wenn man sich selbst nicht vergeben kann.
..Und keine Seele wirkt, es sei denn gegen sich selbst, und keine Seele soll die Last einer anderen tragen… (Sure 6; Vers 164)

Anmerkung zu der Rubrik „Dialog“

Es steht jedem frei,meine Artikel zu kommentieren. Ich stehe immer Rede und Antwort, solange es Allah mir ermöglicht. Ich bin offen für Anregung und Kritik, denn niemand ist unfehlbar. Auf das wir in Frieden und gemeinsam dieses Leben meistern.

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2 Gedanken zu “Der Muslim, „erkauft“ er sich das Paradies?

  1. wa alaikum salaam wa rahmatullahi wa barrakatuhu,
    amin.
    vielen lieben Dank für diese aufmunternden Worte.Möge Allah uns alle schlauer machen und uns auf unserem Weg zu IHM führen und Licht in unsere Herzen geben. Amin.

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  2. Nafie

    Salam alaikum
    Für mich persönlich meiner Meinung nach hast du es sehr sehr gut erklärt und durch deine Erklärung weiss ich das du ein sehr kluger Mensch bist danke dafür hat mich Aufjedenfall schlauer gemacht möge Allah dich dafür belohnen. Salam alaikum

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