Die Bergpredigt Teil 3 (Die Bibel: Matthäus 5-7) islamischer Kommentar*

Vom Almosengeben

1 Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. 2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3 Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
 
 
KOMMENTAR: Geprießen sei Allah. Jesus und Mohammed gleichen sich in ihren Aussagen an einigen Stellen fast aufs Wort. Dieses ist eine dieser Stellen.
Allahs Gesandter hat gesagt: „….und jemand gab Almosen, indem er spendete, und er verbarg seine Spende so, dass seine linke (Hand) nicht weiß, was seine Rechte gegeben hat.“
Die Bergpredigt scheint eines der wichtigsten Begebenheiten in der Geschichte von Jesus zu sein, und es scheint auch am ehestem dem zu entsprechen, was Jesus tatsächlich lehrte. Fern ab von dem, was die Christen hinzufügten, insbesondere Paulus und die Kirche. Die Essenz der Bergpredigt deckt sich in den meisten Bereichen mit dem, was auch die anderen Propheten lehrten, Mohammed eingeschlossen, daher scheint mir diese Predigt authentischer, als der Rest der Bibel zu sein. Aber das weiß nur Allah. Niemand kann sagen, was an der Bibel wahr und was eine Fälschung bzw. Hinzufügung ist. Also ein Resultat der vielen verschiedenen christlichen Interessengruppen, sowie die Fehler, und absichtlichen Veränderungen der Abschreiber. Ein weiteres Problem stellen die vielen verschiedenen Übersetzungen, die alle als geheiligt gelten, dar. Alleine in arabischer Sprache existieren 15 (?) verschieden Ausführungen. Ein Ding der Unmöglichkeit, das 15 verschiedene Aussagen alle der Wahrheit entsprechen sollen, selbst dann, wenn sie widersprüchliche zueinander sind Doch diese Sache läßt mich vom Thema abschweifen.
Demnach nun zurück  zum Kommentar:
Ist es denn nicht so, dass es durchaus Sinn machen würde, sich an den obigen Ratschlag, denn vielmehr als dies ist es in den Augen der Menschen offensichtlich nicht (da man sich ansonsten daran halten würde, wie es normalwerweise mit Regeln und Geboten üblich ist), halten würde? Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn sich jeder bescheiden und beschämt, des ausposaunens seiner Heldentaten enthalten würde? Sicherlich ein großes Stück weniger neidvoll. Jesus stellt hier ganz offensichtlich klar, dass die Frömmigkeit auf der einen Seite steht, und das  „ausposaunen“ auf der anderen. Beides kann nicht übereinkommen. Jener, der aus Frömmigkeit handelt, erhält seinen Lohn im Jenseits von seinem Herrn. Und jener, der es des Ruhmes wegen tut, erhält auch seinen Lohn, jedoch in der Form, in der er es wünscht, denn er erntet denn auch weltlichen Ruhm. Genauso, und nicht anders ist es im Islam. Jesus, welcher sich als gottesfürchtig und gottergeben sieht, ist nicht anders als Mohammed, der sich als eben solcher betrachtet. Gottergebener heißt auf arabisch „Muslim“. Und beide wurden von dem selben Herrn gesandt, doch ihre Wirkungsart und ihr Wirkungskreis waren nicht die selben, da sie in verschiedenen Epochen lebten. Eine jede Epoche bekommt von Gott, was sie benötigt. Doch beide sind und waren „Muslime“, möge bei diesem Wort der Aufschrei der Christenheit auch noch so groß sein.
Ebenfalls erwähnenswert an dieser Stelle, sei die Tatsache dass, laut Bergpredigt, ein Christ „Lohn“ für sein Wirken zu erwarten hat: „und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“  Immer wieder hört man, wie Kritik am Islam verübt wird. Diese Kritik ist unter anderem bezüglich dessen, dass ein Muslim „Lohn“ für seine guten Taten „erntet“. Denn was man säät, dies erntet man. Wie bereits in dem Artikel „Ein Muslim >erkauft< er sich das Paradies?“, erläutert, erkauft ein Muslim sich nicht das Paradies, denn es ist alleine Allahs Barmherzigkeit, welche uns in das Paradies führt. Lohn für gute Taten, sind der Ansporn, um ein guter Mensch zu sein. Es ist der Ausgleich für schlechte Taten, und das Erhöhen der Rangstufe im Paradies. Nun denn, laut Jesu Aussage, ist es im Christentum nicht anders, zumindest in Ansätzen. Denn der Christ erhält ebenfalls Lohn für seine guten Taten. Aber er streitet es ab. Aber vieleicht ist es auch einfach nur Unwissenheit, welches solcherart hervorruft. Doch der eigentliche und tatsächliche Grund für gutes Wirken sollte unbestritten die Liebe zu Allah sein, gleich welchen Lohn man erntet, und dies ist es auch, was Jesus in seiner Botschaft zu vermittel versuchte. Er drückte dies mit dem Worte „Frömmigkeit“ aus. Diese Glasklare essenzielle Botschaft von Jesus ist nicht erhalten geblieben, oder wird auf der Grundlage der „Freiwilligkeit“ anstelle der Grundlage einer „Pflicht“ verübt. Doch im Islam wird diese Botschaft durch den Propheten Mohammed wiederbelebt. Im Islam trägt jeder Muslim dazu bei, das es ein soziales Auffangsystem geben kann, und er erhält Lohn dafür.
Also kommen wir nun zur Gegenüberstellung der christlichen Sicht zur islamischen Sicht der Dinge:
 
Im Islam wird unterschieden zwischen der „Zakat= Armenabgabe“, welche verpflichtend ist, sofern man über genug Einkommen verfügt, und der „Sadaqa“, welche als rein freiwillige Spende zu sehen ist.
Ein jeder, der über genug eigenes Einkommen verfügt, muss einmal im Jahr die Zakat entrichten. Dies ist eine Säule des Islam, und gehört unabdingbar zum Glauben eines Muslims dazu. Das Entrichten der Zakat ist genauso verpflichtend wie das Gebet oder das Fasten. Verfügt er aber über nicht ausreichendes Einkommen, oder gar über gar kein Einkommen, so gehört er zu jenen, welche ein Anrecht auf Gelder oder Spenden aus den Zakatsammlungen hat. Die Zakat ist ein Anrecht der Ärmeren der Gesellschaft, auf das Vermögen der Reicheren, sodass ein jeder Mensch der Gesellschaft eine Möglichkeit zum Leben oder Überleben hat. Dies bedeutet, das diese Gelder von höheren Stellen (zum Beispiel in einer Moschee) eingesammelt, und danach an Ärmere ausgeteilt werden. Dies ist nicht vergleichbar mit der hiesigen Steuer. Vielmehr ist es eine verpflichtende und dennoch freiwillig entrichtete Abgabe, welche die Menschen nicht dem Staat, sondern den Gotteshäusern oder Hilfsorganisatoren zur Verfügung stellen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass der Staat diese einsammelt und sie hernach an Bedürftige austeilt. Ein Mensch, welcher sich weigert die Zakat zu zahlen, obwohl er vermögend genug ist, hat sich strafbar gemacht und muss sich hierfür vor Allah verantworten; sowie er sich für andere Sünden verantworten muss. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass ein islamischer Staat das Nichtzahlen bestraft, da ein Mensch, der sich dem Islam zuschreibt, auch die Verpflichtung hat, sich am Sozialgefüge der islamischen Gesellschaft zu beteiligen. Doch die Tatsache, dass die Zakat eine Säule und somit Pflicht im Islam ist, zeigt schon die enorme Wichtigkeit des Teilens auf.
Allah begründet die Zakat im Folgenden mit der Tatsache, dass alles was ER den Menschen zur Verfügung stellt, und all jene Gaben, die ER über die Menschen ausschüttet, im Grunde Allahs Eigentum sind. Alles auf dieser Welt gehört Allah, auch dann, wenn ER es den Menschen leihweise zur Verfügung stellt. Und aus diesem Grunde hat ein jeder dasselbe Anrecht auf Versorgung. Die Gaben müssen gerecht geteilt werden.
Und verrichtet das Gebet und gebt die Zakah, und was ihr für euch an Gutem vorausschickt, das werdet ihr bei Allah vorfinden. Wahrlich! Allah sieht wohl, was ihr tut. (110)(Sura Al-Baqara)
 
Es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr eure Angesichter in Richtung Osten oder Westen wendet; Frömmigkeit ist vielmehr, daß man an Allah glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf von) Sklaven, daß man das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet. Es sind diejenigen, die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben; und diejenigen, die in Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind. (177)( Sura Al-Baqara)
 
Wahrlich, denjenigen, die gläubig sind und gute Werke tun und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, ist ihr Lohn von ihrem Herrn (gewiß,) und sie brauchen keine Angst haben noch werden sie traurig sein. (277) (Sura Al-Baqara)
 
Allahs Gesandter hat gesagt: “Schützt euer Vermögen durch (Zahlen von) zakat, heilt eure Kranken mit (Hilfe von) Almosen und sucht um Hilfe nach, um euch von einem Unglück zu befreien, indem ihr (Allah) bittet und anfleht.” (Hassan; Abu Dawud)
 
Allahs Gesandter hat gesagt: “ Wem Allah Vermögen gegeben hat, und wer keine zakat dafür entrichtet hat, dem wird sein Vermögen am Tag der Auferstehung zu einer Schlange werden mit zwei dunklen Flecken an der Stirn, und sie wird ihn am Tage der Auferstehung umschlingen, seine Kinnbacken fassen und sagen: ‘Ich bin dein Vermögen, ich bin dein Schatz’.” Dann trug er (der Prophet) vor: Und jene, die geizig sind mit dem, was Allah ihnen von Seiner Huld verliehen, sollen nicht wähnen, es sei ihnen zum Heil; nein, es ist ihnen zum Unheil. Womit sie geizig waren, soll ihnen als Halskette umgehängt werden am Tage der Auferstehung. (Sure 3:181) (Abu Huraira; Buchari, Muslim)
 
Doch die Zakat des Islams ist vermutlich nicht das, was Jesus in seiner Predigt anspricht, sondern es ist die Sadaqa, welche hier vergleichbar ist.
Die Sadaqa ist die freiwillig entrichtete Almosengabe. Das allgemeine Spenden, was auch immer man zu geben wünscht.
Wer spendet soll es aus Glauben tun. Und nur wer es aus Glauben tut, wird auch seinen Lohn bei Allah finden. Wer es tut, um von den Menschen gesehen zu werden, der hat seinen Lohn bei den Menschen, aber im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.
Doch lassen wir die Aussagen des Propheten Mohammed für sich sprechen:
 
Allahs Gesandter hat gesagt: „Freiwilliges Spenden besänftigt den Zorn des Herrn und verhindert, im Unrecht zu sterben.“ (Anas; Tirmithi)
 
Allahs Gesandter hat gesagt: “Allah der Erhabene, sprach: ‘Spendet (den Armen), Kinder Adams, dann will ich euch spenden’.” (Abu Huraira; Buchari, Muslim)Allahs Gesandter sagte, als er (einmal) auf der Kanzel stand und davon sprach, Almosen zu geben und sich des Bettelns zu enthalten: “Die obere Hand ist besser als die untere Hand. Die obere ist die, die Spenden gibt und die untere ist die, die darum bittet.” (Ibn Umar; Buchari, Muslim)Jemand fragte: “Allahs Gesandter, welche (Art von) sadaqa wird mehr belohnt?” Er antwortet: “Daß du sadaqa gibst, wenn du gesund und knapp (in bezug auf deinen Unterhalt) bist, die Armut fürchtest und auf Reichtum hoffst. Warte damit nicht, bis du den Tod nahen fühlst und du dann sagst: “Dies ist für den und das für den”, wo es dann schon (fast) einem anderen gehört.” (Abu Huraira; Buchari, Muslim)Abu Said al-Chudri berichtete: Wir waren auf einer Reise, als ein Mann auf einem Kamel kam und nach rechts und links schaute. Da sagte Allah Gesandter: “Wer Überfluß an Reittieren hat, der gebe es dem, der kein Reittier hat. Wer Überfluß an Proviant hat, der gebe dem, der keinen Proviant hat.”, und Abu Said sagte: “Er nannte so viele verschiedene Güter, bis wir begriffen, daß niemand ein Recht auf das hat, was er als Überfluß besitzt.” (Abu Said al-Chudri; Muslim)

Allahs Gesandter hat gesagt: “ Wenn ein Muslim für seine Angehörigen (Geld) ausgibt in Erwartung, dafür im Jenseits belohnt zu werden, ist das für ihn Sadaqa.“ (Abu Huraira; Tirmithi)

Allahs Gesandter hat gesagt: “ Wenn ein Muslim Saatb ausbrächte oder Setzlinge pflanzte und es äße davon ein Vogel, ein Mensch oder ein Tier, so wäre das Sadaqa für ihn. (Anas; Muslim)

Allahs Gesandter hat gesagt: “ Zwischen zweien Gerechtigkeit herstellen ist Sadaqa, einem Mann mit seinem Reittier zu helfen, ihn hinaufzuheben oder ihm sein Gepäck hinaufzureichen ist Sadaqa, und das gute Wort ist Sadaqa, und jeder Schritt, den du zum Gebet gehst, ist Sadaqa, und etwas Schädliches vom Weg zu entfernen ist Sadaqa.“ ( Abu Huraira; Buchari)

Allahs Gesandter hat gesagt: „Jede gute Tat ist (wie) Almosen geben. ZU den guten Taten gehört, daß du deinem Bruder mit freundlichem Gesicht begegnest und daß du das (Wasser-) Gefäß deines Bruders aus deinem Eimer füllst.“ (Dschabir; Tirmithi, Ahmad)

„O ihr Gläubigen, macht nicht eure Wohltätigkeit durch Vorhaltungen und verletzende Worte zunichte, wie der, der seinen Besitz ausgibt, um von den Leuten gesehen zu werden und nicht an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag! Das Gleichnis dessen ist wie das Gleichnis eines Felsens mit Erde darauf, und es trifft ihn ein Platzregen und lässt ihn hart. Diese erreichen nichts mit ihrem Verdienst, denn Allah leitet die ungläubigen Leute nicht.“ (Sura Al-Baqara Aya 264)

Hier geht es zu Teil 1: https://abduomer9.wordpress.com/2012/09/02/die-bergpredigt-teil-1-islamischer-kommentar/

Teil2:https://abduomer9.wordpress.com/2012/09/12/die-bergpredigt-teil-2-islamischer-kommentar/

 
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