Vortragsreihe Tauhid Teil 4: Dua Bittgebete

 

Dua: Bittgebete

Ein Muslim richtet Wünsche und Bitten aller Art an Allah und einzig an Allah. Diese Bitten und Wünsche werden in das Gebet eingegliedert, oder auch einfach so ausgesprochen, wenn man an Allah denkt und sich außerhalb des rituellen Gebetes befindet. Die zusätzliche Lobpreisung (Dhikr) (neben dem rituellen Gebet) spielt eine große Rolle im Leben eines Muslims. Ein Muslim betet bekanntermaßen fünfmal am Tag, dies führt dazu, dass Allah ständig im Bewusstsein des Menschen ist. Fünf mal am Tag betet, bittet und dankt man Allah. Wenn man diese Gebete rein und aufrichtig verrichtet, so ist es nahezu unmöglich in einen gottlosen Alltag hineinzugeraten. Dies soll bedeuten, dass man sich im Laufe des Tages zwangsläufig gedanklich mit seinem Schöpfer beschäftigt und somit weniger Gefahr läuft, zu sündigen. Denn das Gebet und das Dua stellen einen Schutz vor dem Schaitan (Teufel) dar. Durch häufiges Gedenken und Bitten werden der Glaube und die Liebe sensibilisiert. Man beginnt zu verstehen, dass Allah der Herr allen Seins ist. Das Allah alles lenkt, und das Er alleine die Bitten erhören und erfüllen kann. Und dies ist der wichtigste Punkt. Ein Muslim muss aus tiefstem Herzen davon überzeugt sein, dass Allah einen tatsächlich hört und dass Er einem helfen KANN und WIRD und dass es daran keinen Zweifel gibt.

 Anas Ibn Malik berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Wenn einer von euch ein Du’a verrichtet, dann soll er entschlossen und standhaft in seinem Du’a sein, und er soll nicht sagen: „Oh Allah, wenn du möchtest, dann vergib mir bitte“, denn es gibt niemanden, der Allah zu irgendetwas zwingen kann.“ ( Al-Buchari (Nr.6339) und Muslim (Nr.2678)

 

Bei der Art der Bitte gibt es keine Grenzen oder Scham. So liebt es Allah beispielsweise, wenn er um etwas gebeten wird und lässt von Zeit zu Zeit mit der „Antwort“ auf sich warten, da der Diener unaufhörlich in seinem Bitten sein soll und die Hoffnung nicht aufgeben soll. Je mehr Dua er macht, desto intensiver wird die Annäherung an Allah, sodass das Gespräch mit Ihm wie mit einem guten Freund sein kann, welchem man all sein Leid klagt, und der einen trotzdem liebt und geduldig mit einem ist.

 „Das Du’a eines jeden Gläubigen wird fortwährend erhört, solange er nicht um etwas Schlechtes oder um den Bruch der Verwandtschaftsbande bittet und solange er nicht voreilig (in seinem Gebet) ist.“ (Muslim)

‚“Er sagte: „Ich klage meinen unerträglichen Kummer und meine Trauer nur Allah (allein),…“‘ (Sure Yusuf, 86)

Ein Muslim bittet Allah selbst dann um Hilfe, wenn er Hilfe bei einer Entscheidung braucht, die einem banal erscheinen mag oder aber auch bei sehr wichtigen Entscheidungen, wie Heirat oder größere Anschaffungen (Sallatul Istichaara). Speziell bei der Bitte um die richtige Entscheidung, muss die Antwort, wie von vielen Muslimen angenommen, nicht zwingend in Form eines Traumes kommen, sondern kann auch dahingehend sein, dass Allah die Sache, welche die richtige ist in Form von „Fügung“ geschehen lässt oder aber auch den Weg zum richtigen erleichtert.

Es ist also allein Allah, den wir um Hilfe bitten. Und nicht etwa die Sterne, angebliche Wahrsager (Wahrsagerei kommt dem Unglauben gleich), Götzen, Glücksbringer, Propheten, Engel oder verstorbene Menschen. Wenn wir im Namen eines anderen bitten oder einen Vermittler zwischen uns und Allah suchen, dem wir die Bitten entgegenbringen, so hätte man bereits Schirk (Götzendienst) begangen.  In der Eröffnenden Sure des Korans, der Sure Al-Fatiha, welche in jedem Gebet rezitiert wird, kommt folgender Satz vor:

Ijaaka na´abudu, wa ijaaka nasta´ein. Das bedeutet: Dir alleine dienen wir, und dich alleine bitten wir um Hilfe.

Täglich verspricht ein Muslim Allah, sich daran zu halten. Wie in einem Vertrag. Doch wer ein solches Versprechen abgibt, der sollte es auch einhalten.

Um Missverständnisse zu vermeiden sei hier noch folgendes erwähnt. Es ist eine Selbstverständlichkeit, wenn  man in weltlichen Angelegenheiten einen Menschen um Hilfe bittet, denn das ist das „System“ hier auf Erden. Eine Eigenschaft des sozialen Verhaltens. Jeder sollte fähig sein zu helfen und auch Hilfe anzunehmen. Seien es Kleinigkeiten oder große Dinge. Anderen zu helfen ist eine der besten Angewohnheiten die man haben kann. Doch schlussendlich ist es nicht der Mensch, der einem geholfen hat, sondern Allah, der die Menschen als Werkzeuge nutzt und die Hilfe eines Menschen zugelassen hat. Nur durch den Willen Allahs kann etwas erst möglich werden. Ohne Allahs Macht würde absolut nichts existieren oder funktionieren.

Ibn Abbas berichtete: Ich war einmal hinter dem Propheten (auf dem Reittier). Er sagte: „Mein Junge, ich will dich (wichtige) Worte lehren: Bewahre Allah (in deinem Herzen), dann wird Er dich bewahren. Bewahre Allah (in deinem Herzen), dann wirst du Ihn bei dir finden. Wenn du bitten willst, dann bitte Allah, und wenn du um Hilfe nachsuchen willst, dann ersuche Allah um Hilfe. Merke dir: Wenn die Menschen (allesamt) übereinkommen, dir zu helfen, (können) sie dir nur in dem helfen, was Allah für dich niederschrieb, und wenn sie übereinkommen, dir zu schaden, (können) sie dir nur in dem schaden, was Allah für dich niederschrieb. Die Schreibfedern sind beiseite gelegt und die Seiten getrocknet.“ ( ibn Abbas; Tirmidhi, Ahmad)

Das Dua ist die „Waffe des Gläubigen“. Dies bedeutet, wie ausweglos eine Lage auch erscheinen mag, es wird  immer einen Ausweg oder eine Lösung geben, solange man Allah darum bittet. Die Antwort oder das Erhören eines Bittgebetes kann auf unterschiedlichste Weise geschehen. Manchmal denkt man sogar, man wurde gar nicht erhört. Doch dies ist nicht der Fall. Allah erhört das aufrichtige Bitten Seines Dieners immer. Wobei hier das Augenmerk auf „aufrichtig“ liegt. Doch manchmal trifft das Erbetene nicht ein, weil es einem Schaden zugefügt hätte, von dem nur Allah hätte wissen können. Manchmal bekommt man das Erbetene erst im Paradies, weil es auf Erden noch  nicht der richtige Zeitpunkt war und manchmal trifft es anders ein, als erwartet. Eben auf diese Weise, wie es für einen angebracht und gut war. Denn nur Allah weiß, was tatsächlich gut für uns ist, und Er fügt uns keinen Schaden zu.

“Doch es mag sein, daß euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, daß euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Gott weiß es, doch ihr wisset es nicht.” (Quran 2:216)

Der Prophet hat gesagt: „Wann immer ein Muslim eine Bitte (an Allah) richtet und es sich nicht um Sünde oder Verletzung der Verwandtschaftsbande handelt, erfüllt Allah sie ihm auf dreierlei (Weise): Entweder tut Er es umgehend (in diesem Leben) oder später im Jenseits, oder Er wendet (der Bitte) entsprechendes Unheil ab.“ (Seine Gefährten) entgegneten:“ Dann werden wir es oft machen.“ Er sagte: „Allah, der Erhabene, ist von unermesslicher Güte.“ (Ahmad)

 

Kleine Hilfestellung für das Dua:

Es gibt Zeiten und Ereignisse, zu denen das Dua besonders erhört wird, und es wäre daher lohnenswert, wenn einem ein besonders Anliegen sehr wichtig ist, diese Zeiten für sich  auszunutzen. Es gibt hierfür sehr viele Beispiele, doch ich nenne nur ein paar wenige:

  • Im letzten Drittel der Nacht
  • Bei Regen
  • In schweren Zeiten
  • Auf Reisen
  • Eine Stunde am Freitag
  • Wenn man in der Nacht aufwacht
  • Bei der Niederwerfung
  • Im Ramadaan
  • Während der Hadsch und Umra (also in Mekka)

Es gibt viele Dinge, für/um die man bitten kann. Eine schier unendliche Palette an Wünschen. Und alles, außer für verbotene Dinge, ist erlaubt.

  • Vergebung
  • Gesundheit
  • Segen
  • Paradies
  • Schutz vor Hölle und Bestrafung
  • Schutz vor dem Schaitan
  • Seelenfrieden
  • Rechtleitung
  • Gutes für andere
  • Die richtige Entscheidung

Es ist gut, Bittgebete zu nutzen, die auch der Prophet formuliert und benutzt hat. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, den arabischen Wortlaut zu nutzen. Dies ist nur beim rituellen Gebet verpflichtend. Demnach kann man auch in der eigenen Muttersprache Bittgebete aussprechen. Ebenfalls gut sind all jene Bittgebete, die Allah uns im Quraan vorformuliert und ans Herz gelegt hat.

Bedingung für die Annahme des Bittgebetes ist es, es reinen Herzens und aufrichtig auszusprechen und an die Wirksamkeit und die tatsächliche Möglichkeit der Erfüllung zu glauben.

Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Verrichte dein Du’a an Allah in einem Zustand, bei dem du sicher bist, dass auf dein Du’a geantwortet wird und bedenke, dass Allah nicht auf ein Du’a antwortet, welches von einem nachlässigen und unachtsamen Herzen ausgeht“ (At-Tirmidhi)

Bedingung ist auch, es direkt an Allah zu richten, ohne Vermittler. Bei der Bitte um Vergebung ist es wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass Allah der Allerbarmer ist und grundsätzlich in der Lage, sämtliche Sünden zu vergeben. Man sollte auch fest entschlossen sein, die Sünde nicht wieder zu begehen.

Das folgende Bittgebet ist bei der Bitte um Vergebung besonders empfohlen:

„Oh Allah, Du bist mein Herr, niemand ist der Anbetung würdig außer Dir. Du hast mich erschaffen und ich bin Dein Diener. Ich halte bestmöglich fest an meinem Bund mit Dir und an meinem Versprechen an Dich. Ich nehme meine Zuflucht bei Dir vor meinen Missetaten und bekenne Deine Gunst an mir sowie ich meine Schuld bekenne. Vergib mir, denn keiner ist da außer Dir, der die Sünden vergibt.“ (Al-Buchari Nr.6306)

Beim Sprechen der Bittegebete nicht vergessen, Allah bei Seinen Namen und Attributen zu nennen (Oh Herr, du bist der Allerbarmer, Gütige,….), denn dies liebt Allah. Es ist empfohlen, auch Segenswünsche für den Propheten zu sprechen. Desweiteren bittet man zunächst für sich selbst, und denkt danach auch an andere, z.B. Vergebung, Gesundheit, Paradies etc. für die eigenen Kinder und alle Brüder und Schwestern der Welt erbitten. Wenn man für jemanden im speziellen bittet, so nennt man den Namen dieser Person und drückt sich gezielt auf den Punkt gebracht aus. Zum Beispiel: Oh Herr, bitte pflanze den Islam in das Herz meiner Tochter „soundso“. Wenn man ungestört und ungesehen vor den Blicken anderer ist, so ist dies sicherlich für die Aufrichtigkeit und Liebe zu Allah ein Vorteil. Im Gebet und im Geheimen für Allah zu weinen, sei es aus Liebe, Reue oder Ehrfurcht ist bei Allah besonders beliebt, da es ein Zeichen der Aufrichtigkeit und eine Sache aus tiefstem Herzen ist. Jene Menschen werden am jüngsten Tag zu denen gehören, die an diesem heißen und unerträglichen Tag Schatten von Allah gespendet bekommen.

„Ruft euren Herrn in Demut und im Verborgenen an. Wahrlich, Er liebt die Übertreter nicht.“ (Sure Al-A’raf, 55)

„…Gewiß, sie (die Propheten) pflegten, zum Verrichten des gottgefällig Guten zu eilen und an Uns Bittgebete aus Liebe und aus Ehrfurcht zu richten. Und sie waren Uns gegenüber Demütige.“ (Quran, Al-Anbiya, 21:90)

Teil 1:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/11/22/tauhid-ar-rububbiya/

Teil 2:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/05/tauhid-al-uluhiyya/

Teil 5:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/06/ibada/

Teil 3:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/06/ihlaas/

Teil 6:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/07/taqwa-gottesfurcht/

Teil 7:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/15/tawaqul-das-gottvertrauen/

Teil 8: https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/19/tauhid-al-asma-wa-s-sifat

Teil 9: https://abduomer9.wordpress.com/2017/01/16/schirk-vielgoetterei

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8 Gedanken zu “Vortragsreihe Tauhid Teil 4: Dua Bittgebete

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