Vortragsreihe Tauhid Teil 5: Ibada

Ibada: Gottesdienst  

Was ist überhaupt Gottesdienst? Nun, Gottesdienst im islamischen Sinn ist breit gefächert, und nicht demselben Verständnis nach wie beispielsweise das Christentum es sieht. Gottesdienst bedeutet auch nicht, sich einmal in der Woche eine Predigt anzuhören und in der Gruppe ein Gebet zu verrichten, sondern Gottesdienst umfasst das ganze Leben, wie wir gleich verstehen werden. Das Mindestmaß, was der Mensch am jüngsten Tage vor Allah vorbringen kann, ist der Glaube im Herzen ohne jegliche Handlung. Der Glaube für den man keinen Beweis erbringt. Man verrichtet demnach keinerlei Ibada, und ein Glaube ohne Ibada ist ein toter Glaube. Damit dies dem Menschen nicht so schnell passieren kann, hat Allah einige gottesdienstliche Handlungen verpflichtend gemacht, damit der Glaube eine Möglichkeit des Überlebens im Herzen des Dieners hat. Und alles andere hat Er dem Menschen als freiwillige Handlung mit entsprechender Belohnnung frei gestellt. Ein über das verpflichtende hinaus gehender Gottesdienst, also freiwillige gute Taten und Handlungen sowie das verbessern der eigenen Charakterzüge, bringen einen Allah näher, was das eigentliche Ziel freiwilliger Handlungen ist. Das verbessern der eigenen Beziehung zu Allah. Das Höchstmaß an Gottesdienst erreicht man dann, wenn man jede Handlung seines Lebens zu einem Moment für Allah machen kann. Denn, wenn man es richtig macht, ist dies genau das, was ein Muslim tut. Das Leben dem Glauben anpassen und nicht umgekehrt. Dies ist wesentlich einfacher, als es sich anhört. Ein Muslim dient Allah in jeder Sekunde seines Lebens und nicht nur zu bestimmten Zeiten des Tages. Dies geschieht folgendermaßen. Der Prophet Mohammed (s.a.w.s) ist durch seine Vorbildfunktion ein sehr großer Gewinn für die Gemeinschaft der Muslime. Auf Grund der Tatsache, dass sein ganzes Leben äußerst detailreich festgehalten und dokumentiert wurde (Sunna), haben wir entsprechend viele Anregungen und Beispiele, wie man es im Leben richtig macht, und wie man sich erfolgreich Allah nähern kann. Indem/solange man seinem Beispiel folgt, ist man also auf der sicheren Seite. Er zeigte den Muslimen, wie man sich gottgefällig benimmt und wie die rituellen Regeln und Gebote durchzuführen sind. Desweiteren stellte er (durch Offenbarung von Allah) klar, was erlaubt und was verboten ist. Aus diesem Grunde folgt ein Muslim dem Beispiel des Gesandten Allahs in jeder Lebenslage. Sowohl die rituellen Handlungen (Gebet, fasten, Spenden, Hadj, etc.) betreffend, als auch in den Bereichen des täglichen Lebens (Kleidung, Essen, Schlafen, zwischenmenschliches, Sozialverhalten, Handel, etc). Jedesmal, wenn man sich von etwas enthält, was verboten oder bei Allah unbeliebt ist, begeht man eine gottesdienstliche Handlung. Und jedesmal, wenn man etwas unternimmt, was erlaubt ist, begeht man ebenfalls eine gottesdienstliche Handlung. Denn man tut all dies, aus Liebe zu Allah und aus dem tiefen Bedürfnis heraus, Allah zu gefallen und sich Ihm zu nähern. Daher ist es Gottesdienst. Und somit besteht das ganze Leben, grob gesehen, aus Gottesdienst. Hierbei gibt es auch ein Werkzeug mit einer riesengroßen Wirkung, und das ist das kleine Wörtchen „Bismillah“. Ein Muslim bemüht sich stets alle seine Handlungen mit „Bismillah“ zu beginnen. „Bismillah“ bedeutet: Im Namen Allahs. Noch besser wäre es, wenn man „Bismillahi Ar-Rahman Ar-Rahim“ sagen würde. Dieses bedeutet: Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Jedes Mal, wenn man dies ausspricht, macht man die Handlung zu etwas Gutem, zu etwas, was man für Allah tut. Gleichzeitig erbittet man auf diese Weise den Segen Allahs für die Handlung. Wenn man es von Herzen und ehrlich sagt, dann wird man es irgendwann verinnerlichen und bewusst aussprechen. Es ist eine Sache des klaren Verstandes, dass man nichts Schlechtes mit dem Namen Allahs beginnt. Die Angewohnheit, immer den Namen Allahs zu nennen, wird einen davon abhalten können, schlechte Handlungen zu begehen. Doch eine Garantie ist es natürlich nicht.

Doch nun zum herkömmlichen, rituellen Gottesdienst. In diesem Fall bedeutet rituell, das von Allah verpflichtend gemachte.

Ein Muslim verrichtet fünfmal täglich das Gebet. Zu verschiedenen Tageszeiten. So steht jedem Abschnitt des Tages ein Gebet für Allah zu. Wenn die Zeit für das Gebet fällig ist, unterbricht man all dass, was man gerade tut und um es zu verrichten. Unabhängig von dem Ort, an dem man sich zur Fälligkeit gerade befindet. Konkret bedeutet dies, dass viele Muslime auch an ihrem Arbeitsplatz gerne das Gebet verrichten würden und dafür ihre Pause opfern. Viele Nichtmuslime können dies nicht nachvollziehen, doch für den Muslim ist es eine Selbstverständlichkeit und eine erfüllende Angelegenheit. Er tut es von Herzen, voller Dankbarkeit und Liebe für Allah. Es sind nicht nur einfache Bewegungen des Körpers, sondern Nahrung und Reinigung für die Seele.

Auch das Fasten im Ramadan ist ein Teil des rituellen Gottesdienstes. Genauso wie das Spenden für Bedürftige und die Pilgerfahrt nach Mekka. Alles Genannte ist Teil der fünf Säulen des Islam. Ein jeder Muslim, der sich nicht nur Muslim nennt, sondern auch danach lebt, vollzieht diese Gottesdienste. Doch auch das Einhalten der islamischen Gebote, wie das Schweinefleisch- und Alkoholverbot, die Güte zu den Eltern, die Güte zu den Nachbarn und Bedürftigen, das Spenden, Ehrlichkeit etc. sind Gottesdienste. Eine Sache verbindet all diese Dinge, es ist sozusagen die Essenz all dessen. Verbunden mit unserem Hauptthema „Tauhid“. Es ist der Glaube und die damit verbundene Absicht, alles was man tut nur für Allah zu tun. Es muss immer für Allah, also mit Ihlaas, geschehen. Was man tut, sollte man tun, um sich Allah zu nähern. Denn es gibt eine Menge Dinge, für die man etwas tun kann außer für Allah. Viele Menschen beten, spenden und fasten um von den Menschen gesehen zu werden. Um für gläubig oder großzügig gehalten zu werden. Dies nennt man Augendienerei. Schlimmer als dies, ist der Dienst an jemand anderem als an Allah. Sei es auf direkte Weise (Gebet) oder auf indirekte Weise, indem man den Glauben ablehnt oder Teile davon (siehe Thema Tauhidverletzung). Doch Allah ist der Einzige, den man anbeten und dem man dienen sollte. Niemand sonst als der Schöpfer ist es wert, angebetet zu werden. Allah ist der Schöpfer von allem. Er selbst wurde nicht erschaffen. Er ist Seiner selbst genüge. Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt. Das ist Allah. Und NUR Er ist es wert, angebetet zu werden.

“Und Ich habe die Ginn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen)” (Quran 51:56)

Wobei wir beim nächsten Punkt angelangt sind:

Teil 3:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/06/ihlaas/

Teil 1:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/11/22/tauhid-ar-rububbiya/

Teil 2:   https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/05/tauhid-al-uluhiyya/

Teil 4:  https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/06/dua-bittgebete/

Teil 6:  https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/07/taqwa-gottesfurcht/

Teil 7:  https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/15/tawaqul-das-gottvertrauen/

Teil 8: https://abduomer9.wordpress.com/2016/12/19/tauhid-al-asma-wa-s-sifat

Teil 9: https://abduomer9.wordpress.com/2017/01/16/schirk-vielgoetterei

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7 Gedanken zu “Vortragsreihe Tauhid Teil 5: Ibada

  1. Pingback: Schirk = Vielgötterei – Islam Kompakt

  2. Pingback: Tauhid al-Asma wa s-sifat – Islam Kompakt

  3. Pingback: Tawaqul – Das Gottvertrauen – Islam Kompakt

  4. Pingback: Tauhid Ar- Rububbiya – Islam Kompakt

  5. Pingback: Taqwa = Gottesfurcht – Islam Kompakt

  6. Pingback: Dua Bittgebete – Islam Kompakt

  7. Pingback: Tauhid Al-Uluhiyya – Islam Kompakt

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